Krankenhäuser

Erst vor wenigen Tagen hatte sich Contilia Knall auf Fall von Kirsten Kolligs getrennt, die seit November 2019 Geschäftsführerin des Katholischen Klinikums war. ,

„Liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter,

vor ziemlich genau fünf Monaten hatten wir Sie darüber informiert, dass der Aufsichtsrat der Contilia den Beschluss gefasst hat, für die Katholisches Klinikum Essen GmbH einen Verkaufsprozess einzuleiten. Hintergrund dieser Entscheidung war, dass wir das wirtschaftliche Risiko für die Umsetzung des Konzeptes „Gesundheitsversorgung im Essener Norden“ im Sinne der gesamten Contilia Gruppe nicht weiter verantworten konnten. Insbesondere der für dieses Konzept zentrale Neubau des Marienhospitals in Altenessen war aus Sicht von Geschäftsführung und Aufsichtsrat mit so immensen Investitionen verbunden, dass eine seriöse Refinanzierung angesichts der starken Veränderungen in der Gesundheitsbranche langfristig nicht gesichert ist.

Wir alle waren stolz darauf, für unser Unternehmen, aber auch für Altenessen ein Leuchtturmprojekt entwickelt zu haben und haben auf diesem Weg so viel Unterstützung erfahren und Begeisterung gespürt. Deshalb war die Enttäuschung überall so groß. Wir können die Emotionen gut nachvollziehen, denn wir haben Ihr Vertrauen, Ihre Geduld und Ihre Loyalität zum Unternehmen damit stark gefordert. Auch viele Menschen im Essener Norden und die Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft hatten für diesen Sinneswandel wenig Verständnis. In zahlreichen Gesprächen haben uns Bürger und Stadtverantwortliche in den letzten Monaten dann aber immer wieder deutlich gemacht, wie hoch sie den Stellenwert eines gemeinnützigen Trägers für die Gesundheitsversorgung einschätzen.

Auch unter diesen nachhaltigen Eindrücken ist ein neues Konzept entstanden, das medizinisch sinnvoll und wirtschaftlich vertretbar ist. Dieses neue Konzept hat der Aufsichtsrat der Contilia in seiner heutigen Sitzung verabschiedet und dabei den Beschluss gefasst, die Katholisches Klinikum Essen GmbH nicht zu verkaufen.

Im Kern der neuen Planungen geht es unverändert darum, die Gesundheitsversorgung für die Menschen im Essener Norden zu sichern, die Notfallversorgung langfristig zu garantieren und ambulante Medizin konsequent dort einzusetzen, wo sie möglich ist. Wir werden dazu deutlich stärker mit anderen Krankenhausträgern, zum Beispiel mit der Universitätsmedizin Essen, kooperieren.

Konkret soll das Philippusstift in Borbeck so entwickelt werden, dass alle wohnortnahen Operationen, Behandlungen und Therapien im stationären und ambulanten Betrieb dort in größtmöglicher Qualität angeboten werden Dazu werden am Standort umfangreiche Neubaumaßnahmen umgesetzt. Darüber hinaus wird das Philippusstift zur zentralen Anlaufstelle für die Notfallversorgung im Essener Norden. Der Standort Haus Berge ist in seiner Infrastruktur auf dem neusten Stand und wird in dem neuen Konzept ebenfalls eine wichtige Versorgungsrolle einnehmen. Mit dem bestehenden Lehrstuhl für Geriatrie der Universität Duisburg-Essen werden Contilia und die Universitätsmedizin den Weg der Zusammenarbeit auch hier weiter intensivieren.

In Altenessen soll unter Federführung der Universitätsmedizin in enger Abstimmung mit den niedergelassenen Ärzten und weiteren Partnern eine neue medizinische Versorgungsstruktur entstehen. Damit sollen die fachärztliche Betreuung, ambulantes Operieren und die Notfallversorgung sichergestellt werden. Noch ist nicht abschließend geklärt, welche Rolle wir hier einnehmen werden. Aber wir haben ein Interesse daran, auch weiterhin in Altenessen präsent zu sein und stehen bereit, um unseren Beitrag zur Versorgungssicherheit der Bürgerinnen und Bürger zu leisten.

Die Fachbereiche und Behandlungskapazitäten der Standorte Marienhospital Altenessen und St. Vincenz Krankenhaus in Stoppenberg werden auf die übrigen Standorte der Contilia und der Uniklinik Essen aufgeteilt oder in weiteren Kooperationen realisiert. Die Häuser werden nicht weiter betrieben. Wir haben in diesen schwierigen Wochen der Pandemie einmal mehr gesehen, dass für die Menschen in dieser Stadt die Qualität der Behandlung das Maß aller Dinge ist. Deshalb führt an der Spezialisierung der Leistungsspektren und damit auch an sinnvollen Kooperationen kein Weg vorbei.

Als die KKE GmbH vor rund drei Jahren in ihrer wirtschaftlich schwierigen Lage unter das Dach der Contilia gegangen ist, waren wir alle zuversichtlich, dass wir den Umschwung gemeinsam und ohne den Verlust von Arbeitsplätzen schaffen werden. Heute wissen wir, dass dies in Teilen eine Fehleinschätzung war. Deshalb gehört es zur Aufrichtigkeit dazu, wenn wir an dieser Stelle sagen müssen, dass wir in dem neuen Konzept nicht alle Arbeitsplätze erhalten können.

Bereits im Vorfeld der heutigen Entscheidung haben wir deshalb nach tragfähigen Lösungen gesucht. Aufgrund der großen Nachfrage nach medizinischem Personal in allen Bereichen wird der Wechsel in eine andere Einrichtung der Contilia oder zu einem anderen Essener Krankenhausträger dort in der Regel und auf Wunsch möglich sein. Die entsprechenden Signale der anderen Krankenhausträger der Stadt sind bereits gesetzt. Aber beim Auflösen der Standorte Marienhospital und St. Vincenz werden insbesondere in den Bereichen Technik, Service und Verwaltung nicht alle Mitarbeitenden an einen anderen Standort wechseln können. Wir werden in enger Zusammenarbeit mit unserer Mitarbeitervertretung allen betroffenen Mitarbeitenden in dieser schwierigen Situation die bestmögliche Unterstützung anbieten.

Liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, der heutige Beschluss des Aufsichtsrates eröffnet uns die Möglichkeit, die Zukunft der Contilia weiter aktiv zu gestalten – an allen Standorten, aber auch und insbesondere im Essener Norden. Der Preis dafür ist hoch. Marienhospital und St. Vincenz sind Häuser mit großer Tradition. Aber letztlich sind dies „nur“ Steine. Was schwerer wiegt, ist die Last, dass Kolleginnen und Kollegen den neuen Weg nicht werden mitgehen können. Jeden einzelnen, der dabei seinen Platz im Unternehmen verlieren wird, können wir nur um Verständnis und Entschuldigung bitten.

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der KKE haben sich in vielen Jahrzehnten um die Gesundheit der Menschen in Borbeck, Stoppenberg und Altenessen verdient gemacht. Wir wünschen uns, dass wir diese Aufgabe auch in den nächsten Jahrzehnten mit neuen Möglichkeiten und ungebrochenem Engagement fortführen können.

Dr. Dirk Albrecht Jens Egert